Blutegeltherapie

"Heilen mit Biss"


 

Die Blutegeltherapie ist eine traditionelle und anerkannte Therapie im Humanbereich und wird seit Jahrhunderten vom Menschen geschätzt.

Seitdem auch die Behandlung der Sport- und Freizeittiere vielen Menschen am Herzen liegt, wird die Blutegeltherapie zunehmend auch für Behandlungen bei Tieren eingesetzt.

 

Über die Möglichkeiten der Einsatzgebiete bei Pferden möchte ich Sie gerne weiter informieren.

 

Medizinische Blutegel haben grundsätzlich eine Doppelwirkung durch ihren Biss:

  •  eine heilsame Wirkung durch den Substanzcocktail im Blutegelspeichel
  • eine entstauende Wirkung durch Absaugen und ähnliches Prinzip wie der bekannte Aderlass

 

Berühmt ist der Blutegel für das Sekret Hirudin, einem Stoff mit stark gerinnungshemmender Eigenschaft. Weitere 7 Inhaltsstoffe wie Calin, Eglin, Bdelline, Hyaluronidase und andere wurden bis heute benannt und erforscht. Man vermutet, dass es zwischen 30 und 100 Substanzen im Speichel gibt.

Zusammenfassend wirken die Substanzen, soweit bekannt:


  • entzündungshemmend
  • schmerzlindernd
  • durchblutungsfördernd
  • Lymphstrom erhöhend
  • antibiotisch
  • antispasmodisch
(zum Vergößern auf das Bild klicken) / Sehhnenreizung
(zum Vergößern auf das Bild klicken) / Sehhnenreizung


Indikationen

  • Arthritis / Arthrose (z.B. Spat, Schale)
  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates (z.B. Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen, Fesselträgerentzündungen, Patellaluxationen)
  • Gallen (z.B. Piephacke, Stollbeule, Kreuzgalle)
  • Akute und chronische Hufrehe
  • Hufrollenerkrankungen
  • Wirbelsäulenerkrankungen
  • Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination)
  • Druckstellen
  • Ekzeme (z.B. Sommerekzem, Mauke)
  • Phlegmone (Einschuss)
  • Abszesse
  • Wundheilungsstörungen
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Zahn- und Kiefererkrankungen
  • Myoalgien (Muskelschmerzen)
  • Genickbeule uvm,

Kontraindikationen

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Allergische Reaktionen (sofern bekannt)
  • vorhandene Immunschwächen
  • bei trächtigen Stuten
Blutegelbehandlung bei akuter Spatphase
(zum Vergrößern auf das Bild klicken) / akute Phase von Spat


Die Behandlung mit den Blutegeln

 Eine Behandlung ihres Pferdes dauert in der Regel zwischen 90 und 120 Minuten. Abhängig von der jeweiligen Indikation ist häufig eine einmalige Anwendung ausreichend. Zu Behandlungsbeginn wird der Blutegel an der vorgegebenen Hautstelle angesetzt, saugt sich fest und sägt sich mit seinen Kalkzähnchen in die Haut. Dieser Vorgang ist weitgehend schmerzfrei, meist einer Berührung durch eine Brennnessel verglichen.

Anschließend leitet der Blutegel die Wirkstoffe beim Saugen in das Gewebe ein und fällt von alleine ab (Dauer ca. 15-90 Minuten). Die kleine Bisswunde wird durch den Wirkstoff Calin bis zu 12 Stunden offen gehalten und blutet nach. In dieser Zeit wird noch einmal so viel Blut verloren, wie während der Saugphase. Insgesamt entsteht ein Blutverlust von etwa 50 ml je Egelbiss.

Der heilende Effekt kann nach unterschiedlichen Zeitabständen, oft sogar unmittelbar im Anschluss an die Behandlung, auftreten und hält häufig monatelang an.


Pferde akzeptieren in der Regel den Blutegelbiss ohne Abwehrreaktion und tolerieren die Behandlung meist geduldig.

Ich arbeite mittleweile fast ausschließlich mit der "Egelpflastermethode", da ich dadurch einerseits die Behandlungsstelle einrahmen kann und andererseits die Blutegel nicht störe, oder zwinge an einer festen Stelle zu beißen. Die Blutegel suchen sich somit selbst den Weg und entscheiden Position im Bereich der Behandlungsstelle. Für das Pferd ist es oftmals stressfreier, da es sich bewegen kann, ohne die Blutegel dabei abzuwerfen.

(zum Vergrößern auf das Bild klicken) / Bsp.Egelpflaster
(zum Vergrößern auf das Bild klicken) / Bsp.Egelpflaster
(zum Vergrößern auf das Bild klicken) / Nachblutung
(zum Vergrößern auf das Bild klicken) / Nachblutung

Welche Nachsorge ist erforderlich?

Wenn sich Verunreinigungen der nachblutenden Wunde verhindern lassen, kann die Wunde offen bleiben.

 

Nach- und Nebenwirkungen

  • Rötung im Bereich der Bissstelle
  • Langanhaltende Nachblutung ( wichtig und wünschenswert)
  • Anschwellung der regionalen Lymphknoten und des behandelten Körperteils (normal)
  • Lokale allergische Reaktion
  • Lokale entzündliche Reaktion
  • Abgeschlagenheit, selten Temperaturerhöhung
  • lokaler Juckreiz

Hinweis

Medizinische Blutegel sind nach deutschem Arzneimittelrecht rezeptfreie Fertigarzneimittel und für Privatpersonen nur über die Apotheke erhältlich.

Angebote im Internet (ausgenommen Internetapotheken), die auch Privatpersonen zugänglich sind, vertreiben Blutegel nicht als Arzneimittel, oder es handelt sich um Fälschungen.

 

Im Tierbereich gibt es keine Einschränkung der Berechtigung zur Blutegelbehandlung. Es ist aber jedem anzuraten, der ihren Einsatz plant, eine Grundlagenausbildung zu absolvieren, um sich auf Wirkungen, Nach- und Nebenwirkungen verantwortungsvoll einstellen zu können.